Während die meisten Mitreisenden beim Kloster einkehren oder weiter nach Salet fahren, biegen wir auf den stillen Uferpfad ab und steigen bald steil ins Schrainbachtal hinauf.
In der Kernzone des Nationalparks wirkt der Wald urwüchsig: Totholz, Pilze, umgestürzte Baumriesen – Natur, die einfach Natur sein darf. Dann erreichen wir die Saugasse, die schmale, steile Rinne hinauf Richtung Funtensee. Ende September liegt sie im Schatten und der Aufstieg ist angenehm kühl. Am frühen Nachmittag stehen wir beim Kärlinger Haus. Nach Kaffee und Kuchen machen wir noch einen kurzen Abstecher auf den Feldkogel – mit schönem Blick auf den glänzenden Königssee tief unter uns.
Der Morgen begrüßt uns mit Reif, Nebel und blauem Himmel. Ein schmaler Steig führt hinunter zum Grün- und dann wieder hinauf zum Schwarzensee, beide still, kalt und wunderschön. Über das aussichtsreiche Halsköpfl geht es zur Wasseralm, der wohl ursprünglichsten Unterkunft in den Berchtesgadener Alpen. Nach der Pause queren wir den Röthbach, der wenig später als Röthbachfall 400 Meter in die Tiefe stürzt. Wir bleiben oben und folgen dem drahtseilgesicherten Landtalsteig. Dann geht es noch einmal 500 sonnige Höhenmeter empor, bevor wir über ein luftiges, aussichtsreiches Grasband zur Gotzenalm wandern. Nach acht Stunden kommen wir müde, aber glücklich an. Der kurze Abstecher zum Feuerpalfen lohnt sich unbedingt: Der Tiefblick auf St. Bartholomä und die gewaltige Ostwand des Watzmanns gehört zu den besten Aussichten im gesamten Nationalpark.
Am dritten Tag erklimmen wir zunächst das Hohe Laafeld. Auf schmalen Pfadspuren steigen wir durch die Bärengrube auf, queren zerklüftetes Karstgelände und stehen schließlich am stillen 2.074-Meter-Gipfel. Vor uns breiten sich die Berge der Berchtesgadener Alpen aus: Funtenseetauern, Großer Hundstod, Watzmann, Göll und Untersberg – ein wahnsinniges Panorama. Über die steile Frauenwand geht es anschließend hinunter zum Seeleinsee, der türkis und noch still unter dem Kahlersberg ruht. Ab der Priesbergalm werden die Wege belebter; an der Königsbachalm gönnen wir uns ein letztes Radler, bevor wir über den Hochbahnweg nach Schönau absteigen, wo die Königssee-Umrundung ihr Ende findet.