Sebastian Steude
Klettertour: Zwillingswand – Via Deife von Sebastian Steude

28.04.2021 · Chiemgauer Alpen

Zwillingswand – Via Deife

Schwierigkeit

VII-/A1

Ernsthaftigkeit

E1

Länge

145m

Zeit

2-2 1/2 Std.

Exposition

Süd

Erstbegeher

H. und M. Genghammer, 2015

Zerstören Bohrhaken das Abenteuer beim Klettern? Über diese Frage haben schon ganze Generationen von Kletterern und Alpinisten gestritten, und auch in Zukunft wird das Thema immer wieder für Diskussionsstoff sorgen, ist das Sicherheitsbedürfnis doch bei jedem Menschen ganz individuell ausgeprägt.

Ich persönlich finde es sehr schön, auch mal angstfrei in gut mit Bohrhaken abgesicherten Routen an der Leistungsgrenze klettern zu können. Ein richtiges Abenteuer erlebe ich hingegen nur in klassischen Routen, bei denen Orientierungssinn, Psyche und physische Fähigkeiten zu einer Gesamtanforderung verschmelzen, die es so in alpinen Sportkletterrouten einfach nicht gibt. Natürlich will man bei solchen Touren nicht umkommen, aber die potenzielle Gefahr ist ein ganz elementarer Bestandteil des Abenteuers.

Als ich Ende April nach vier Seillängen und drei Stunden aus der 145 Meter langen Via Deife ausgestiegen bin, habe ich dennoch ein kleines, begrenztes Abenteuer erlebt. Nur waren es diesmal nicht die fehlenden soliden Sicherungspunkte, sondern die fehlenden Informationen zur Route – war sie mir doch abgesehen von der finalen Schwierigkeitsbewertung völlig unbekannt. Außerdem war ich im gesicherten Alleingang unterwegs – einer Spielart des Kletterns, die ebenfalls alles etwas abenteuerlicher gestaltet, da man ganz auf sich allein gestellt ist. Die Unwägbarkeiten sind somit größer, der Spielraum für Fehler kleiner. Aber genau deshalb ist das Erlebte auch intensiver gefärbt, und als ich am Ende alleine am Gipfel stand, war ich mit mir und der Welt um mich herum sehr im Reinen.

Charakter

Etwas inhomogene Kletterei, die aber ein paar interessante Passagen aufweist.

Absicherung

Sehr gut mit Bohrhaken abgesichert. Keine zusätzliche Absicherung nötig.

Zustieg

Vom Parkplatz Raiten folgt man der Forststraße bis zur Huberalm. Nun über den markierten Steig in Richtung Hochplatte, bis man weglos unter die Südwand der Zwillingswand aufsteigen kann. Der Einstieg befindet sich unter dem markanten Felsenloch (1–1½ Std.).

Abstieg

Vom Kreuz steigt man wenige Meter nach Norden ab und seilt anschließend 20 Meter über den Normalweg zum Wandfuß ab. Von hier aus führt ein Pfad zurück auf den markierten Wanderweg, über den man nach Raiten absteigen kann (1½ Std.).

Bilder