Ich persönlich finde es sehr schön, auch mal angstfrei in gut mit Bohrhaken abgesicherten Routen an der Leistungsgrenze klettern zu können. Ein richtiges Abenteuer erlebe ich hingegen nur in klassischen Routen, bei denen Orientierungssinn, Psyche und physische Fähigkeiten zu einer Gesamtanforderung verschmelzen, die es so in alpinen Sportkletterrouten einfach nicht gibt. Natürlich will man bei solchen Touren nicht umkommen, aber die potenzielle Gefahr ist ein ganz elementarer Bestandteil des Abenteuers.
Als ich Ende April nach vier Seillängen und drei Stunden aus der 145 Meter langen Via Deife ausgestiegen bin, habe ich dennoch ein kleines, begrenztes Abenteuer erlebt. Nur waren es diesmal nicht die fehlenden soliden Sicherungspunkte, sondern die fehlenden Informationen zur Route – war sie mir doch abgesehen von der finalen Schwierigkeitsbewertung völlig unbekannt. Außerdem war ich im gesicherten Alleingang unterwegs – einer Spielart des Kletterns, die ebenfalls alles etwas abenteuerlicher gestaltet, da man ganz auf sich allein gestellt ist. Die Unwägbarkeiten sind somit größer, der Spielraum für Fehler kleiner. Aber genau deshalb ist das Erlebte auch intensiver gefärbt, und als ich am Ende alleine am Gipfel stand, war ich mit mir und der Welt um mich herum sehr im Reinen.