Sebastian Steude
Klettertour: Wagendrischelhorn - Zellerweg Winterbegehung von Sebastian Steude

17.01.2020 · Berchtesgadener Alpen

Wagendrischelhorn - Zellerweg Winterbegehung

Schwierigkeit

III-/M4

Ernsthaftigkeit

E3

Länge

570m

Zeit

2-3 Std.

Exposition

Süd

Erstbegeher

M. Hartmann, M. Zeller, 1909

Es gibt nicht viele Kletterer, die auch im Winter an den Felswänden der Bayerischen Alpen unterwegs sind. Einer von ihnen ist der Sepp, mit dem ich an diesem Januartag nach Obermayrberg fahre. Da bisher nur wenig Schnee gefallen ist, haben wir die Räder dabei, doch leider ist die Forststraße so vereist, dass wir bereits nach 20 Minuten aufgeben und lieber zu Fuß weitergehen.

Passender Kletterführer

Bergführer Berchtesgaden und Chiemgau

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Bis zur Jagdhütte kommen wir gut voran, dann wird der Schnee sehr tief und das Spuren äußerst anstrengend, sodass wir uns dazu entscheiden, durch eine Rinne direkt zum Einstieg zu stapfen, anstatt den Umweg über den Hochgscheidsattel zu nehmen. Kurz vor dem eigentlichen Einstieg wird das Gelände deutlich steiler, und der Schnee ist so hart gefroren, dass ich auf Steigeisen wechsle und den Pickel aus dem Rucksack hole. Sepp stapft natürlich noch ohne Steigeisen weiter. Anfangs geht es eine kombinierte Rampe empor, es folgen zwei sehr ausgesetzte Ecken, dann erreichen wir die große Höhle in der Wandmitte. Ein neues Wandbuch habe ich umsonst mitgenommen – es liegt dann doch so viel Schnee, dass ich die Kassette nicht finde. Gleich nach der Höhle folgt die Schlüsselstelle: eine steile Stufe, die bald wieder in eine flachere Rampe übergeht.

Wir klettern etwas weiter links als im Sommer, spreizen kurz eine kaminartige Rinne höher und erreichen dann die Schneerampe, die in angenehmer Steigung nach oben in ein kleines Kar zieht. Es folgt eine ausgesetzte Querung, die wir kurz sichern, dann erreichen wir ein weiteres Kar und die Ausstiegsrinne, über die wir in toller kombinierter Kletterei den Verbindungsgrat zwischen Häusl- und Wagendrischelhorn erreichen. Die anstrengende Stapfarbeit zum Gipfel lässt sich leider nicht umgehen, dann haben wir es aber geschafft und können das tolle Panorama über die Reiteralm und die Loferer Steinberge genießen. Zurück geht es über die steile Mayrbergscharte, die wie die vereiste Forststraße noch einmal volle Konzentration fordert.

Charakter

Beliebte, leichte Kletterei, die auf Rampen und in Rinnen die gesamte Südwand quert. Von sicheren Kletterern kann sie in der Regel seilfrei begangen werden.

Absicherung

Es stecken einige Normalhaken und an den ausgesetzten Stellen sogar ein paar Bohrhaken. Standplätze sind nicht eingerichtet.

Zustieg

Die ersten vier Kilometer wandert man vom Parkplatz Hintersee über die Hirschbichlstraße bis zur Engertalm. Kurz vor der Hütte zweigt rechts der Schaflsteig ab, der steil durch Wald und Latschen bis zur Stadelmauer führt. Nun immer unterhalb der Felsen entlang, bis er schließlich rechts in die Felsen zur Mayrbergscharte führt. Nun nicht den Drahtseilen folgen, sondern geradeaus auf Pfadspuren (Steinmänner) über Schrofen und Geröll immer unter den Felsen entlang bis zum Einstieg unterhalb einer markanten dunklen Rampe (3 Std.).

Abstieg

Am schnellsten gelangt man vom Gipfel über den kurzen Klettersteig (B/C, I) zur Mayrbergscharte (2.053 m). Von hier steigt man durch eine drahtseilgesicherte Schlucht (Achtung: Steinschlaggefahr!) zum Hochgscheidsattel ab und gelangt über den Schaflsteig zurück zum Ausgangspunkt (3–3½ Std.).

Bilder