Das Gebiet mit dem größten Felspotenzial der Berchtesgadener Alpen ist die Reiter Alm. Da gibt es die klassische Westseite mit den höchsten Gipfeln, auf die schon früh Wege und Routen gesucht wurden. Dann die sonnenverwöhnte Südseite mit den großen Klassikern an den Mühlsturz- und Grundübelhörnern. Und schließlich die etwas düstere Nordseite mit einigen ernsten Alpinrouten und vor allem einer ganzen Reihe moderner alpiner Sportklettereien.
Lediglich an der Ostseite zwischen Alphorn und Eisberg gibt es so gut wie keine bekannten Kletterrouten. Die einzige Ausnahme bildet das 1.731 Meter hohe Übeleck mit seiner düsteren, rund 400 Meter hohen Nordwand. Neben drei modernen Routen, die langes alpines Sportklettern bieten, finden sich hier auch zwei klassische Linien. Dabei wurde die Wand erst 1983 aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt.
„IV− (Stellen), überwiegend II und III“ steht im alten Alpenvereinsführer von 1997. Das klingt zunächst recht entspannt, wobei der Zusatz „keine Wiederholung bekannt“ doch ein gewisses Abenteuer verspricht. Die Route entpuppt sich allerdings wieder einmal als deutlich anspruchsvoller als erwartet. Schon der Zustieg durch die Schlucht erfordert Kletterei im oberen III. Grad. Die Orientierung ist im unteren Teil der riesigen Wand nicht immer einfach, der Fels oft grasdurchsetzt und eher plattig. Auch die Absicherung mit Friends und Keilen gestaltet sich nicht überall unkompliziert.
Ach ja, und die Kletterstellen erreichen dann doch den oberen V. Grad. Vielleicht lassen sie sich etwas leichter umgehen – ganz sicher waren wir uns da allerdings nicht. Dazwischen kann man wiederum viele Passagen seilfrei zurücklegen. Zumindest das stimmt also.
Wir kämpfen uns durch und stehen schließlich am Nachmittag auf dem unscheinbaren Gipfel. Eine Belohnung gibt es auch: einen einstündigen Latschenkampf bis zur Hirschwiese. Juchu!
Charakter
Großer klassischer Wanddurchstieg. Insgesamt eine der leichteren Touren an der Nordseite der Reiteralm.
Absicherung
Es stecken nur einige Normalhaken. Zusätzliche Absicherung mit Friends und Keilen ist erforderlich.
Zustieg
Von der Alpenstraße zur Kuhbrücke hinab und unmittelbar danach rechts auf eine Forststraße. Diese verlässt man nach wenigen Metern wieder nach links auf einen Steig. Über diesen aufsteigen, bis er in den Mittersteig mündet. Auf dem Mittersteig nach rechts, einen Graben queren und anschließend links auf einen Steig, der zunächst durch den Wald emporzieht und dann nach links in den markanten Graben unter den Wänden führt. Nun teilweise schwierig durch den schluchtartigen Graben emporklettern (Stellen III), bis man einen geräumigen Platz unter plattigen Wänden erreicht (1½–2 Std.).
Abstieg
Vom Gipfel nach Westen durch Latschen zur Hirschwiese (Achtung: militärisches Sperrgebiet mit Betretungsverbot). Anschließend nach Norden zum Laufsattel und über den Laufsattelsteig zurück ins Tal (2–3 Std.).