Sebastian Steude
Klettertour: Gurnwandkopf – Rauhnachtswunsch von Sebastian Steude

09.07.2026 · Chiemgauer Alpen

Gurnwandkopf – Rauhnachtswunsch

Schwierigkeit

V+

Ernsthaftigkeit

E4

Länge

185m

Zeit

2-3 Std.

Exposition

Südwest

Erstbegeher

S. Steude, H. Holzmayer, 2026

Während die Hörndlwand seit jeher zu den traditionsreichsten Kletterbergen des Chiemgaus zählt, fristet der unmittelbar benachbarte Gurnwandkopf ein Dornröschendasein. Vor einhundert Jahren beging die Traunsteiner Bergsteigergilde um Willy Merkl und Fritz Bechthold zwar auch am Gurnwandkopf einige Neutouren, anschließend wurde es dort jedoch schnell wieder ruhig. Die wenigen Routen, die danach noch geklettert wurden, fanden nicht einmal mehr den Weg in die Literatur. Inzwischen dürften sich nur noch äußerst selten Kletterer an den Gurnwandkopf verirren – dabei ist das Felspotenzial durchaus beträchtlich und sogar größer als an der Hörndlwand.

Allerdings ist der Zustieg deutlich mühsamer, der Fels weniger abgeklettert und wer anschließend noch zum Gipfel möchte, muss meist auch einen eher unerquicklichen Latschenkampf in Kauf nehmen. Etwas anders verhält es sich beim markanten Gurnwandpfeiler. Er liegt quasi auf der Rückseite der Hörndlwand und damit völlig ab vom Schuss. Bereits der etwas unterhalb verlaufende Gurnwandsteig wird trotz Markierung nur selten begangen, erst recht nicht die Schuttreisen, Kare und Grate nordwestlich davon, die zu den wildesten Gegenden der Chiemgauer Alpen zählen.

Dennoch springt einem der Pfeiler förmlich ins Auge und so war es nur eine Frage der Zeit, bis ich ihn mir einmal genauer ansehen würde. Im Juni 2026 war es schließlich so weit und nach den ersten beiden Seillängen waren Hans und ich bereits ziemlich begeistert. Der Fels war hervorragend, die Kletterei abwechslungsreich und fordernd, ohne übermäßig wild zu sein, und die mobilen Sicherungsmittel ließen sich nahezu perfekt unterbringen. Leider stieg am Nachmittag die Gewittergefahr so stark an, dass wir vor den letzten beiden Seillängen abbrachen und wieder abseilten.

Am 9. Juli 2026 kehrten wir zurück und konnten die Route diesmal vollständig klettern. Im oberen Teil fanden wir zwei noch nicht allzu alte Normalhaken vor, weshalb es durchaus sein kann, dass die letzten zwei Seillängen bereits früher einmal geklettert wurde. Herausgekommen ist eine ausgesprochen lohnende alpine Genusskletterei für alle, die eine einsame, ursprüngliche Umgebung schätzen und sicher mit mobilen Sicherungsmitteln umgehen können. Insgesamt gehört die Tour zu den schönsten alpinen Klettereien in den mittleren Schwierigkeitsgraden in den gesamten Chiemgauer Alpen.

Charakter

Sehr schöne, homogene Kletterei in den mittleren Schwierigkeitsgraden mit durchgehend hervorragender Felsqualität. Die Wand wie auch die gesamte Umgebung sind ziemlich abgelegen und äußerst ruhig.

Absicherung

Alpine Route mit einigen Normalhaken. Die Standplätze sind allesamt gut. Zusätzliche mobile Absicherung ist erforderlich und mit Friends sowie Keilen problemlos möglich.

Zustieg

Vom Parkplatz Urschlau ins Röthelmoos und weiter auf dem Gurnwandsteig empor. Bei einem großen roten Pfeil verlässt man den Steig und steigt geradeaus zu der markanten Schuttreise auf. Anschließend recht mühsam über die steile Schuttreise zum bereits sichtbaren Pfeiler. Der Einstieg befindet sich direkt an der Kante bei einem Latschenfleck (Steinmann).

Abstieg

Vom Gipfel viermal über die Route abseilen (Abseilstände eingerichtet). Vom zweiten Stand über leichten Fels (I–II) in die Schuttreise hinabklettern. Anschließend auf dem bekannten Weg zurück zum Parkplatz.

Bilder