Allerdings ist der Zustieg deutlich mühsamer, der Fels weniger abgeklettert und wer anschließend noch zum Gipfel möchte, muss meist auch einen eher unerquicklichen Latschenkampf in Kauf nehmen. Etwas anders verhält es sich beim markanten Gurnwandpfeiler. Er liegt quasi auf der Rückseite der Hörndlwand und damit völlig ab vom Schuss. Bereits der etwas unterhalb verlaufende Gurnwandsteig wird trotz Markierung nur selten begangen, erst recht nicht die Schuttreisen, Kare und Grate nordwestlich davon, die zu den wildesten Gegenden der Chiemgauer Alpen zählen.
Dennoch springt einem der Pfeiler förmlich ins Auge und so war es nur eine Frage der Zeit, bis ich ihn mir einmal genauer ansehen würde. Im Juni 2026 war es schließlich so weit und nach den ersten beiden Seillängen waren Hans und ich bereits ziemlich begeistert. Der Fels war hervorragend, die Kletterei abwechslungsreich und fordernd, ohne übermäßig wild zu sein, und die mobilen Sicherungsmittel ließen sich nahezu perfekt unterbringen. Leider stieg am Nachmittag die Gewittergefahr so stark an, dass wir vor den letzten beiden Seillängen abbrachen und wieder abseilten.
Am 9. Juli 2026 kehrten wir zurück und konnten die Route diesmal vollständig klettern. Im oberen Teil fanden wir zwei noch nicht allzu alte Normalhaken vor, weshalb es durchaus sein kann, dass die letzten zwei Seillängen bereits früher einmal geklettert wurde. Herausgekommen ist eine ausgesprochen lohnende alpine Genusskletterei für alle, die eine einsame, ursprüngliche Umgebung schätzen und sicher mit mobilen Sicherungsmitteln umgehen können. Insgesamt gehört die Tour zu den schönsten alpinen Klettereien in den mittleren Schwierigkeitsgraden in den gesamten Chiemgauer Alpen.