Ein großer Nachteil, wenn man alleine unterwegs ist? Man kann das Material nicht aufteilen! Dementsprechend kämpfe ich mich schwer bepackt mit meinem Mountainbike die Forststraße in Richtung Wasserhäuschen empor.
Irgendwann wird die Straße richtig steil, und ich will gerade absteigen und schieben, da taucht vor mir eine Gruppe Soldaten auf. Jetzt will ich mir natürlich keine Blöße geben. Also weiterstrampeln und erst danach absteigen. Doch als ich um die nächste Kurve fahre, kann ich es nicht fassen: So weit ich sehen kann, schnaufende und ebenfalls schwer bepackte Soldaten auf dem Weg zum Schrecksattel. Na super.
Aber Jammern nützt nichts. Also versuche ich, äußerlich so entspannt wie möglich zu wirken, während ich innerlich kurz vor dem Kollaps stehe, und radle einfach weiter. Erst kurz vor dem Wasserhäuschen habe ich die Soldaten abgeschüttelt und sinke völlig erledigt ins Gras.
Der Nordpfeiler selbst ist eine eher kurze Tour mit langem Zustieg. Das ist sicherlich auch einer der Gründe, warum meine Begehung erst die 18. Wiederholung in 43 Jahren war – und zugleich die erste Alleinbegehung. Die Route ist nämlich durchaus schön zu klettern, mit abwechslungsreichen Stellen bis zum oberen V. Grad und in klassisch-alpinem Gewand. Und da ich ja alle Seillängen zweimal klettern muss, komme ich am Ende des Tages trotzdem auf meine zehn Seillängen.
Charakter
Schöne Alpinkletterei in völlig einsamer Umgebung.
Absicherung
Alpine Absicherung mit überwiegend guten Normalhaken. Die vorhandene Absicherung lässt sich meist problemlos mit mobilen Sicherungsmitteln ergänzen.
Zustieg
Von Oberjettenberg auf Forststraßen bis zum Wasserbehälter an der alten Skiabfahrt. Man folgt ein Stück der Skipiste, quert dann auf einem undeutlichen Pfad einen Graben nach rechts und gelangt zu einem etwas deutlicheren Weg, dem man nach links bis zu einer sehr versteckten Jagdhütte auf einer großen Lichtung folgt. Ein teilweise sehr undeutlicher Steig führt an der Jagdhütte vorbei in den Wald und weiter bis unter die Nordwestwand des Kleinen Weitschartenkopfs. Man quert nach rechts in den Grenzgraben (teilweise absteigend, I) und folgt diesem über eine Steilstufe (I–II) in eine Parallelrinne und weiter nach rechts zum Wandfuß. Der Einstieg befindet sich auf einem Band bei einem Steinmann und einem Haken (2½–3 Std.).
Abstieg
Vom Gipfel steigt man am besten über den markierten Normalweg in Richtung Traunsteiner Hütte ab und folgt anschließend dem Schotterweg zum Schrecksattel. Von dort über den markierten Wanderweg zurück nach Oberjettenberg (2½–3 Std.).