Sebastian Steude
Klettertour: Hoher Göll - Kleiner Trichter von Sebastian Steude

22.06.2024 · Berchtesgadener Alpen

Hoher Göll - Kleiner Trichter

Schwierigkeit

VII-/A1

Ernsthaftigkeit

E4

Länge

465m

Zeit

5-7 Std.

Exposition

West

Erstbegeher

Gauder, Helminger, 1943

Der Kleine Trichter am Hohen Göll zählt zu den wenigen Kletterrouten in den Berchtesgadener Alpen, die während des Zweiten Weltkriegs erstbegangen wurden. 1943 gelang den beiden Salzburgern Gauder und Helminger der Durchstieg, nachdem zuvor bereits mehrere Seilschaften gescheitert waren.

Zwei markante Trichter prägen die gewaltige Westwand des Hohen Gölls – als habe jemand mit einem Messer große Stücke aus dem Fels herausgeschnitten. Links liegt der Große Trichter, der tiefere und markantere der beiden Einschnitte. Etwas höher und weiter rechts befindet sich der Kleine Trichter, eingerahmt von glatten Plattenzonen und entsprechend schwer zu bezwingen. Genau dorthin führt unsere Route.

Die ersten Seillängen bieten schöne, überwiegend moderate Kletterei und bringen uns zügig bis an die Plattenzone heran. Nach der zehnten Seillänge wird das Gelände deutlich anspruchsvoller. Ein steiler gelber Riss führt noch einige Meter nach oben, dann scheint der Weiterweg plötzlich versperrt. Erst zwei Seilquergänge eröffnen den Ausweg aus der vermeintlichen Sackgasse. Frei geklettert verlangt die Passage anspruchsvolles Abklettern (VII+), technisch lässt sie sich deutlich entspannter lösen (A1). Eine leichtere Seillänge führt anschließend in den glattgeschliffenen, griffarmen Grund des Kleinen Trichters. Auch hier wirkt die Route zunächst wie eine Sackgasse. Tatsächlich bieten sich allerdings sogar zwei Ausstiegsmöglichkeiten: Rechts führt eine verdammt glatte Verschneidung nach oben (VI-/A0), links ein markanter Kamin. Wir entscheiden uns für die linke Variante, die mit einigen Normalhaken relativ gut abgesichert ist und sich trotz der Schwierigkeiten überraschend flüssig klettern lässt. Es folgen noch zwei schöne Seillängen, die zum Ausstieg hin zunehmend leichter werden.

Mit dem Erreichen des Ausstiegs ist die Tour allerdings noch nicht beendet. Über das Trichterwiesl und den Jagerwieslsteig zieht sich der Abstieg noch zweieinhalb bis drei Stunden hin. Mehrere Abseilstellen und leichtes Klettergelände verlangen bis zuletzt Konzentration, bevor wir schließlich wieder den Wandfuß erreichen.

Charakter

Pauseklassiker durch die imposante Westwand des Hohen Gölls.

Absicherung

Mit gebohrten Ständen, einigen Normalhaken und ein paar zusätzlichen Bohrhaken gut abgesichert. Zusätzliche Absicherung mit Klemmgeräten nötig und gut möglich.

Zustieg

Vom Parkplatz Scharnitzkehl folgt man der Forststraße bis zu einer markanten Linkskehre. Dort verlässt man die Forststraße und steigt über einen deutlichen Pfad bis an die Felsen der Göll Westwand im Talschluss auf. Über eine Schutthalde (vorbei an einem Schneefeld) zum Einstieg etwas rechts vom Trichter (3/4 Std.).

Abstieg

Vom Ende der Hauptschwierigkeiten in leichter Kletterei und teilweise abseilend nach links hinab in den Großen Trichter und anschließend weiter links hinauf zu einer Wiese (Trichterwiesl). Man quert nun weiter nach links und steigt über Schrofen 50 Höhenmeter bis in einen Geröllkessel ab. Nun kann man entweder über die Alte Westwand abseilen (ca. 100 Meter gerade durch die Rinne absteigen, Abseilhaken meist mit gelben Pfeilen markiert, 1 - 1 1/2 Std.) oder man steigt über den sogenannten „Jagerwieslsteig“ (II, mit Steinmännern markiert) ab. Vom Geröllkessel in ständigem Auf und Ab bis zu einer markanten Fichte nach links queren. Von dort einen Gegenanstieg (ca. 50 Hm) hinauf, bevor man über eine Rinne hinunter zum Wandfuß gelangt (2 1/2 - 3 Std.).

Bilder