Zwei markante Trichter prägen die gewaltige Westwand des Hohen Gölls – als habe jemand mit einem Messer große Stücke aus dem Fels herausgeschnitten. Links liegt der Große Trichter, der tiefere und markantere der beiden Einschnitte. Etwas höher und weiter rechts befindet sich der Kleine Trichter, eingerahmt von glatten Plattenzonen und entsprechend schwer zu bezwingen. Genau dorthin führt unsere Route.
Die ersten Seillängen bieten schöne, überwiegend moderate Kletterei und bringen uns zügig bis an die Plattenzone heran. Nach der zehnten Seillänge wird das Gelände deutlich anspruchsvoller. Ein steiler gelber Riss führt noch einige Meter nach oben, dann scheint der Weiterweg plötzlich versperrt. Erst zwei Seilquergänge eröffnen den Ausweg aus der vermeintlichen Sackgasse. Frei geklettert verlangt die Passage anspruchsvolles Abklettern (VII+), technisch lässt sie sich deutlich entspannter lösen (A1). Eine leichtere Seillänge führt anschließend in den glattgeschliffenen, griffarmen Grund des Kleinen Trichters. Auch hier wirkt die Route zunächst wie eine Sackgasse. Tatsächlich bieten sich allerdings sogar zwei Ausstiegsmöglichkeiten: Rechts führt eine verdammt glatte Verschneidung nach oben (VI-/A0), links ein markanter Kamin. Wir entscheiden uns für die linke Variante, die mit einigen Normalhaken relativ gut abgesichert ist und sich trotz der Schwierigkeiten überraschend flüssig klettern lässt. Es folgen noch zwei schöne Seillängen, die zum Ausstieg hin zunehmend leichter werden.
Mit dem Erreichen des Ausstiegs ist die Tour allerdings noch nicht beendet. Über das Trichterwiesl und den Jagerwieslsteig zieht sich der Abstieg noch zweieinhalb bis drei Stunden hin. Mehrere Abseilstellen und leichtes Klettergelände verlangen bis zuletzt Konzentration, bevor wir schließlich wieder den Wandfuß erreichen.