Sebastian Steude
Klettertour: Fleischbank – Ostwand (Dülfer) von Sebastian Steude

18.06.2025 · Wilder Kaiser

Fleischbank – Ostwand (Dülfer)

Schwierigkeit

VI

Ernsthaftigkeit

E3+

Länge

445m

Zeit

4-6 Std.

Exposition

Ost

Erstbegeher

H. Dülfer, W. Saarschmidt, 1912

Lange Zeit galt sie als unbezwingbar – die fast 400 Meter hohe Felsbastion der Fleischbank-Ostwand, die Jahr für Jahr die besten Kletterer ihrer Zeit abgewiesen hatte. Es war ein junger Student aus dem alpenfernen Rheinland, dem am 15. Juni 1912 durch zwei geschickte Quergangsmanöver das bis dahin Undenkbare gelang: Hans Dülfer und Werner Saarschmidt hatten die Wand am Ende doch bezwungen.

Die Route war damals nicht nur die schwerste im Wilden Kaiser, sondern zählte zu den anspruchsvollsten Touren der gesamten Alpen – zumindest bis zum 26. September 1913, als Hans Dülfer gemeinsam mit Freiherrn Willi von Redwitz auch die noch etwas schwierigere Westwand des benachbarten Totenkirchls meisterte.

Mehr als ein Jahrhundert ist seither vergangen – und doch bleibt das Staunen, wenn man in der Steinernen Rinne steht und den Blick zu den senkrechten Felsfluchten emporrichtet. Geadelt durch Walter Pauses legendäres Werk Im extremen Fels, zählt die „Dülfer“ heute zu den bekanntesten und meistbegangenen Routen dieser illustren Liste. Die Meinungen zur Tour könnten dabei unterschiedlicher kaum sein: „Eine der leichteren Pausetouren“, schreibt der eine, während ein anderer meint: „Wir haben ganz schön aufs Maul bekommen.“

Natürlich ist die damalige Leistung Dülfers heute nur schwer nachvollziehbar – moderne Kletterschuhe, Halbseile, Friends und Keile verändern vieles. Auch einige Bohrhaken an den Ständen und Schlüsselstellen haben inzwischen ihren Weg in den Fels gefunden. Dennoch: Eine Plaisirtour ist die Dülfer nicht. Im anspruchsvollen ersten Quergang muss man gut stehen, in den steilen Ausstiegsrissen auch ordentlich zupacken können. Alles in allem bleibt die Fleischbank-Ostwand eine eindrucksvolle und lohnende Unternehmung – eine Route, die man in einem Kletterleben mindestens einmal gemacht haben sollte.

Charakter

Absoluter Top-Klassiker, der nach wie vor häufig begangen wird. Abwechslungsreiche Routenführung mit kräftigen Kletterstellen und zwei spektakulären Quergängen.

Absicherung

Sanft sanierte Alpinroute. Die Standplätze sind gebohrt, dazwischen finden sich lediglich einzelne Bohrhaken und einige Normalhaken. Zusätzliche mobile Absicherung ist gut möglich.

Zustieg

Von der Griesener Alm in Richtung Stripsenjoch. Links auf dem St.-Johanner-Weg über die steile Schrofenwand (I–II) zum Eggersteig. Auf diesem in die Steinerne Rinne (I) und durch diese auf einem teilweise in den Fels gehauenen und drahtseilversicherten Weg aufsteigen, bis auf Höhe der Notrufsäule ein auffälliges, balkonartiges Band nach rechts in die Fleischbank-Ostwand zieht (1½–2 Std.).

Abstieg

Vom Gipfel nach Westen durch die gestufte Schöllhornrinne abklettern (II; kann auch abgeseilt werden). Vom Ende der Rinne nach Süden queren und etwa 50 Höhenmeter zu einem Absatz unterhalb der Karlspitze aufsteigen. Von dort nach Süden zum Ellmauer Tor abklettern (II) und mehrmals abseilen. Durch die Steinerne Rinne und über den bekannten Aufstiegsweg zurück zum Parkplatz (2–3 Std.).

Bilder