Sebastian Steude
Klettertour: Berchtesgadener Hochthron - Südwestwand von Sebastian Steude

09.11.2020 · Berchtesgadener Alpen

Berchtesgadener Hochthron - Südwestwand

Schwierigkeit

VI+

Ernsthaftigkeit

E3

Länge

215m

Zeit

3-4 Std.

Exposition

Südwest

Erstbegeher

A. Hinterstoißer, T. Kurz, 1934

Anderl Hinterstoisser und Toni Kurz gehörten in den 30er Jahren zu den besten Kletterern Deutschlands. Beide waren bei den Gebirgsjägern in Bad Reichenhall stationiert und kletterten ab 1934 einige der zu dieser Zeit schwersten Routen der Berchtesgadener Alpen – Routen, die wie die Wartsteinkante oder die Direkte Südkante am Großen Mühlsturzhorn auch heute noch zu den ganz großen Klassikern gehören.

Ihre erste gemeinsame Neutour, die Südwestwand am Berchtesgadener Hochthron, eignet sich aufgrund der Ausrichtung und der niedrigen Höhe gut für den Herbst, und so haben Moritz und ich an diesem Novembersamstag perfekte Bedingungen. Die ersten zwei Seillängen werden heute meist über die Route Untersbergmandl geklettert. Wir entscheiden uns jedoch für den Originaleinstieg, der etwas weiter links liegt und nach einer leichten Seillänge eine erste knackige Quergangsseillänge aufweist. In der gehobenen Schwierigkeit muss ich mich erst einmal an die alten Haken gewöhnen, doch zwei Friends geben die nötige zusätzliche Sicherheit auf dem Weg durch den gelben Fels.

Die darauffolgende Seillänge führt zwar steil, aber sehr griffig eine Etage höher, bevor der nächste Quergang auf dem Programm steht. Mit drei Bohrhaken abgesichert, erweist sich diese Seillänge aber fast schon als Genussklettern. Es folgt noch eine lange Seillänge im sechsten Grad mit wunderschönen Platten und einer interessanten Rampe, bevor das Gelände leichter wird und wir rasch die Hochfläche erreichen. Beim Abstieg durch das Mittagsloch geht gerade die Sonne hinter den Gipfeln des Hochkaltermassivs unter. Wir blicken zurück auf die vom letzten Licht des Tages orange schimmernden Wände und ziehen unseren nicht vorhandenen Hut vor der Leistung der beiden Berchtesgadener Pioniere. Sich mit der damaligen Ausrüstung in diese steile Wand zu wagen, bedurfte einer ordentlichen Portion Selbstvertrauen und Mut.

Charakter

Früher häufig begangene Route in festem Fels. Sehr ausgesetzte, kräftige Kletterei mit mehreren Quergängen.

Absicherung

Sanft sanierter Klassiker. Die Stände sind eingerichtet, und es stecken ein paar Normal- und Bohrhaken als Zwischensicherung. Zusätzliche Absicherung mit Klemmgeräten ist möglich.

Zustieg

Vom Parkplatz Roßboden (Ettenberg) dem ausgeschilderten Weg anfangs über eine Forststraße, dann über einen Pfad bis zum Scheibenkaser auf 1.440 Metern Höhe folgen. Rechts von der Hütte führt ein Steig zum Hochthron-Klettersteig, dem man kurz folgt, bis links ein unmarkierter Pfad Richtung Mittagsloch abzweigt. Über den Pfad zum Wandfuß der Südwand und dann immer direkt unterhalb der Wand entlang zum Einstieg, der sich wenige Meter links der Route Untersbergmandl (Schild) befindet (2 Std.).

Abstieg

Vom Ausstieg in wenigen Minuten zum Stöhrhaus absteigen und weiter durch das unmarkierte Mittagsloch (I, teils versichert, steinschlaggefährdet, bei Nässe gefährlich) zurück zu den Einstiegen und zum Scheibenkaser. Alternativ kann man auch über das Gatterl und den Weg Nr. 466 zum Scheibenkaser gelangen (ca. 30 Minuten länger und man kommt nicht mehr an den Einstiegen vorbei). Vom Scheibenkaser steigt man über den normalen Wanderweg zum Parkplatz ab (2 Std.).

Bilder