Zugegebenermaßen gibt es deutlich schönere Routen der Seilschaft Hinterstoißer/Kurz. Wirklich homogen ist die Pfeilersüdwand nicht, und auch die Felsqualität ist rustikaler, als wir erwartet hatten.
Aber beeindruckend ist die Tour! Die ersten beiden Seillängen sind sehr alpin und gar nicht so einfach. Anschließend folgen zwei Seillängen über eine leichte Rampe, die schließlich mitten im überhängenden Fels endet. Nun wird es schlagartig äußerst ausgesetzt und steil. Die folgenden beiden Seillängen sind selbst in technischer Kletterei und mit Seilzugquergang (6+/A1) ausgesprochen anstrengend.
Es ist kaum vorstellbar, was sich die beiden jungen Burschen, gerade einmal Anfang zwanzig, vor fast 90 Jahren zugetraut haben, als sie sich mit einfachster Ausrüstung – Hanfseilen, Eisenkarabinern und selbst geschmiedeten Haken – in diese überhängende Ungewissheit wagten. Steht man anschließend ausgepumpt im darüberliegenden Kamingrund, ist der Weg nach oben frei, und man kann die letzten drei, nun wieder deutlich leichteren Seillängen genießen.
Charakter
Früher häufig begangene Route. Insgesamt recht inhomogen. Die beiden schweren Seillängen sind jedoch äußerst steil und spektakulär.
Absicherung
Sanft sanierter Klassiker. Die Standplätze sind eingerichtet, zudem finden sich einige Normal- und Bohrhaken als Zwischensicherungen. Zusätzliche Absicherung mit Klemmgeräten ist gut möglich.
Zustieg
Vom Parkplatz Roßboden (Ettenberg) dem ausgeschilderten Weg zunächst über eine Forststraße, später über einen Pfad bis zum Scheibenkaser auf 1.440 Metern Höhe folgen. Rechts der Hütte führt ein Steig zum Hochthron-Klettersteig, dem man kurz folgt, bis links ein unmarkierter Pfad in Richtung Mittagsloch abzweigt. Über diesen zum Wandfuß der Südwand und anschließend stets direkt unterhalb der Wand entlang zum Einstieg am Schertlepfeiler (2 Std.).
Abstieg
Vom Ausstieg in wenigen Minuten zum Stöhrhaus absteigen und weiter durch das unmarkierte Mittagsloch (I, teilweise versichert, steinschlaggefährlich, bei Nässe heikel) zurück zu den Einstiegen und zum Scheibenkaser. Alternativ kann man auch über das Gatterl und den Weg Nr. 466 zum Scheibenkaser gelangen. Diese Variante ist etwa 30 Minuten länger und führt nicht mehr an den Einstiegen vorbei. Vom Scheibenkaser über den normalen Wanderweg zurück zum Parkplatz (2 Std.).