Diese abweisende Wand berührt die sogenannte Gelbe Mauer als erste Route. Am 7. Juli 1940 gelang den beiden Salzburger Kletterern Franz Palaoro und Franz Spitzburger die Durchsteigung. Schon seit geraumer Zeit hat mich die Linie fasziniert, dennoch bin ich etwas angespannt, als ich schließlich zusammen mit Sepp auf einem kleinen Absatz unter der Südwand in meinen Klettergurt wechsle. Ein Stück können wir noch über Schrofen seilfrei klettern, dann mache ich Stand und er klettert über eine Platte bis zum Beginn der markanten Verschneidungsrampe, die schließlich in die Höhle führt.
Direkt über dem Stand befindet sich gleich die Schlüsselstelle der Tour: ein gutgriffiger, aber sehr steiler Überhang, der entweder frei (inzwischen mit VII+ bewertet) oder technisch (V+/A1) an vier alten Haken überwunden werden kann. Die Stelle ist zwar gar nicht so schwer, wie sie anfangs aussieht, aber irgendwie fehlt mir dann doch der Schneid, an den alten Haken einfach durchzuziehen, und so klettere ich zwar frei, aber teilweise pausierend und vor allem viel Kraft vergeudend nach oben. Die folgende Rampe ist deutlich leichter, dann folgt ein zweiter kurzer, abdrängender Überhang, und man steht in der großen, schuttrigen Höhle, in der man an einem mächtigen Block Stand machen kann. Da sich Sepp nicht ganz so gut fühlt, führe ich auch die nächste Seillänge. Man quert kurz die Höhle, späht ins Wandbuch (eine Seilschaft 2018, keine 2019 und inklusive uns zwei 2020), und quert dann unglaublich ausgesetzt weiter, teilweise leicht absteigend, aber an Normalhaken gut gesichert bis zum nächsten Stand. Die Kletterei ist zwar nicht schwer, aber durch die Ausgesetztheit wahnsinnig beeindruckend. Es ist, als balanciere man an einem Brückengeländer entlang, und ich freue mich über die zwei soliden Bohrhaken an diesem Stand. Da fühlt man sich doch etwas sicherer, als hier frei an rostigen Schlaghaken zu hängen.
Es folgt nun ein anfangs noch sehr steiles Rampen- und Verschneidungssystem, das uns nach zweieinhalb schönen Seillängen in den oberen Teil des Schimkepfeilers führt. Der Ausstieg darüber ist das Sahnehäubchen der Tour, und wir erreichen schließlich glücklich und zufrieden den Gipfel des Berchtesgadener Hochthrons.